Grenzerfahrungen im Heimathafen Neukölln: Endstation Ewige Heimat

Berlin-Neukölln, 20. August 2011 Fünfzig Jahre nach dem Mauerbau wird im Heimathafen Neukölln ein Gartenlaubenidyll am ehemaligen Rand von Westberlin dargestellt. In der primitiven Gartenlaube haben sich Stella und Leif, dargestellt von Katrin Hansmeier und Johann Jürgens, in ihrem einfachen und glücklichen Leben eingerichtet.
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In der Beschreibung des Stückes heißt es zum Laubenpieperkosmos: „Sie haben den Rückzug ins Private angetreten und sich ihr kleines, intaktes Reich geschaffen, das aus Rabatten, Gemüsebeeten und selbst erfunden Spielen, in denen vom Ritter zum Tiefseetauchgang alles möglich erscheint, besteht. Für etwas jedoch ist in diesem Lebensentwurf kein Platz: für die Vergangenheit. Diese aber spaziert just in Leifs und Stellas Leben, als nach der Ossi-Schwester auch noch der Wessi-Bruder in der Kleingartenkolonie ´Ewige Heimat´ auftaucht. Dem unkonventionellen Lebensmodell von Stella und Leif stehen die Geister der Vergangenheit gegenüber.“

Das Team rund um die Regisseurin Nicole Oder hat in einer sechswöchigen Probezeit das Stück entwickelt. Die Texte von „Endstation Ewige Heimat“ entstanden auf Basis von Improvisationen und Recherchen und wurden vom amerikanischen Schriftsteller Tennessee Williams inspiriert.

Mauer- und Grenzbilder flackern im Hintergrund. Die angedeutete “Do-it-yourself-Laube” ist ein gleichförmiger Quader, der in der Selbstdrehvariante Zeitabläufe stark raffen kann. Empfangen wird das Premierenpublikum, unter denen auch der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky gesichtet wurde, von Klangvariationen und gleichförmigen Textwiederholungen. Diese Texte, zum Beispiel das „erkenntnistheoretische Modell“ rund um „Schachteln“ von Hans Magnus Enzensberger ziehen sich anfangs etwas quälend in die Länge. Umso mehr sind die Laubenszenen dann lustvolle und kurzweilige Geschichten, die von den Schauspielern mit viel Liebe und Engagement interpretiert werden. Das Liebespaar Stella und Leif leben glücklich in ihrer Welt und philosophieren über das „Vorbei.“ Als dann „das Vorbei“ in Form der Schwester Maybritt, gespielt von Barbara Wurster, und dem nervig arroganten Wessi-Bruder Ernst Theodor vorm Walde, dem Schauspieler Peter Becker, erscheint, ist ihr Idyll vorbei. Frei nach dem Motto „Your home is my castle“ richtet sich Ernst Theodor in der Liebeshütte ein.

Grenzerfahrungen an der ehemaligen „DDR-Staatsgrenze“ finden dann im Leben der vier scheinbar so unterschiedlichen Typen statt. Das „freudige“ Zusammentreffen, das neue „Familienglück“ lässt nichts mehr beim Alten. Das freie Leben des Liebespärchens scheint vorbei zu sein. Dafür gibt es neue Liebesbekanntschaften und die Hoffnung, aus der bisherigen Welt ausbrechen zu können. Alle Hauptfiguren interpretieren ihre Rollen mit Spaß, Freude und Improvisationsvermögen. Der fiktive Tauchgang von Stella versetzt die Zuschauer perfekt in eine traumhafte Unterwasser-Illusion.
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Stella beim Tauchgang (Katrin Hansmeier,Johann Jürgens-Foto:Verna Eidel)
Die Notgemeinschaft strebt nach ihrem privaten Glück. Hier will jeder nur „Happiness“ rund um die Uhr. Als Stella das kleine Geheimnis vom Unternehmersöhnchen Ernst Theodor entdeckt, eskaliert das schöne Laubenleben.

Irgendwie eine Ost-West-Geschichte, die aber auch an jedem anderen Ort hätte spielen können. Eine Liebesgeschichte mit Tragik, die im ehemaligen Mauerumfeld spielt. Und da ist der Aufhänger zum Mauer-„Jubiläum“ ein Anlass, der einem förmlich ins Auge springt. Vom Ensemble liebevoll dargestellt geht es um die unterschiedlichsten Grenzerfahrungen im Leben.

Thomas Moser –BerLi-Press (www.berli-press.de)

ENDSTATION EWIGE HEIMAT von Nicole Oder, Elisabeth Tropper und Ensemble

http://www.heimathafen-neukoelln.de

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