Neue Veranstaltungsreihe: „Streng geheim“

Das Notaufnahmelager Marienfelde und die Nachrichtendienste

Berlin, 20. Februar 2012 – Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde startet eine neue Veranstaltungsreihe, die sich dem Notaufnahmelager und den Nachrichtendiensten widmet. Den Auftakt bildet ein Vortrag des Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom am 23. Februar 2012 um 19.00 Uhr. Darin gibt Erich Schmidt-Eenboom einen Überblick über die Tätigkeit westlicher Nachrichtendienste im Notaufnahmelager Marienfelde. Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrages liegt auf der Bedeutung des Befragungswesens für die Dienste.

Von 1953 bis 1990 durchliefen 1,35 Millionen Menschen, die aus der DDR geflohen waren, das Notaufnahmelager Marienfelde. Sie mussten sich dem Bundesnotaufnahmeverfahren unterziehen, in dem Beweg- und Hintergründe ihrer Flucht geprüft wurden. Bereits in einem frühen Stadium des Verfahrens kamen die Flüchtlinge mit westalliierten und bundesdeutschen Nachrichtendiensten in Berührung, von denen mehrere auf dem Gelände des Lagers vertreten waren. Ihre Aufgabe war es, die Einschleusung von Spionen zu verhindern, aber auch, Informationen über die Herkunftsgebiete der Geflüchteten zu sammeln.

Dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR (MfS) galt das Lager als „Feindobjekt“ und wurde ausgespäht. Die Geheimpolizei interessierte sich für die Fluchtwege und -helfer derjenigen, die der SED-Diktatur den Rücken gekehrt hatten, für Einzelheiten des Notaufnahmeverfahrens sowie für die Dienststellen vor Ort. Auch vor Entführungen schreckte man nicht zurück.

Die Geschichte dieser nachrichtendienstlichen Tätigkeit in und gegen Marienfelde ist wenig erforscht. In der Veranstaltungsreihe widmen sich profilierte Geheimdienstexperten und -historiker ebenso wie Nachwuchswissenschaftler, die aus laufenden Forschungsprojekten berichten, diesem spannenden Thema.

Die Termine:

(wenn nicht anders angegeben, ist der Veranstaltungsort die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde)

23.2.2012, 19 Uhr Das Notaufnahmelager Marienfelde und die westlichen Nachrichtendienste
Vortrag von Erich Schmidt-Eenboom mit anschließendem Gespräch

26.4.2012, 19 Uhr Humanitäre Organisation und Nachrichtendienst: die „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ (KgU) im Notaufnahmeverfahren

Vortrag von Dr. Keith Allen und Enrico Heitzer mit anschließendem Gespräch

5.7.2012, 19 Uhr „Freiheit für Dr. Linse!“ Stasi-Entführungen im geteilten Berlin

Vortrag von Susanne Muhle und Podiumsgespräch mit Dr. h.c. Karl Wilhelm Fricke, Dr. Klaus Bästlein und Gerd Sommerlatte (angefragt)

Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Str. 119

31.7.2012, 19 Uhr Die West-Geheimdienste und die Flüchtlinge aus der DDR. Flüchtlinge und Spione im „golde-nen Zeitalter“ der westlichen Spionage (1945-1965)

Vortrag von Prof. Paul Maddrell, Universität Loughborough (England), anschließend Expertengespräch mit Prof. Bernd Stöver, Universität Potsdam

1.11.2012, 19 Uhr „Feindobjekt“ Marienfelde. Das Ministerium für Staatssicherheit und das Notaufnahmelager

Vortrag von Dr. Burghard Ciesla mit Diskussion

 

Wasser-Vandalismus im Rathaus Friedenau

Das Rathaus Friedenau gleicht einer Tropfsteinhöhle
Das Rathaus Friedenau hätte heute viele Rettungsschirme gebraucht. Der strenge Winter und Nachfrost bis zu 20 Grad Minus sorgen derzeit für Rohrbrüche und Heizungsausfälle.
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Die gute Nachricht ist: kein Rohr ist im Rathaus Friedenau geborsten und die Heizung funktioniert auch. Dennoch steht die Zentrale des Jugendamtes Tempelhof-Schöneberg am Breslauer Platz in weiten Teilen unter Wasser. Schuld sind keine technischen Mängel, sondern menschlicher Vandalismus in einer besonders perfiden Form. Einbrecher haben sich in der letzten Nacht Zugang zum Rathaus Friedenau verschafft. Wie sie ins Rathaus hinein und wieder herausgekommen sind, steht noch nicht fest; die Polizei ermittelt. Gestohlen wurde nichts, alle Bürotüren sind unbeschädigt. Offenbar aus Frust oder Lust am blanken Vandalismus haben die Eindringlinge dann in allen Etagen die Schläuche der Notbewasserung entrollt und die Wasserhähne voll aufgedreht.
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Foto: jats/Ed Koch
Für den Notfall befinden sich auf allen Etagen Wasserhähne und Schläuche, um ein Feuer löschen zu können. Die Wasserhähne funktionieren, das wurde bewiesen. Wie lange das Wasser durch das gesamte Gebäude floss, ist nicht bekannt.
Als Christoph Müller, der Pförtner des Rathauses Friedenau, heute Morgen um 5.20 Uhr seinen Dienst antrat, traute er seinen Augen nicht. Die Scheibe zu seiner Pförtnerloge ist gesprungen. Vermutlich haben die Täter versucht, hier hineinzukommen. Sofort bemerkte Müller das Wasser, das sich durchs ganze Rathaus ergoss. Seine erste Amtshandlung war, in allen Etagen die Wasserhähne zuzudrehen. Dann nahm das Geschehen seinen Lauf. In kürzester Zeit war Hausmeister Rainer Bürger zur Stelle und koordinierte die Rettungsmaßnahmen.
Reinhard Walther, Regionalleiter Schöneberg Süd des Jugendamtes, in seinem Büro, das zum Glück kein Wasser von oben abbekommen hat, das aber dennoch vollgelaufen ist. Zuerst brachten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Akten und die Computer in Sicherheit.
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Danach wurde das Rathaus für die Beschäftigten und Besucher geschlossen.
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Heute und morgen findet kein Dienstbetrieb im Rathaus Friedenau statt. Am Donnerstag wird entschieden, wie es weitergeht. Angesichts der Schäden ist damit zu rechnen, dass ein halbwegs regulärer Dienstbetrieb erst in der nächsten Woche wird aufgenommen werden können.
Da auch viele Decken beschädigt sind, werden einige Büros für längere Zeit nicht nutzbar sein. Gegenwärtig ist im Rathaus ein gleichmäßiges Brummen von den Bautrocknern zu hören, die überall verteilt wurden. Der entstandene Schaden lässt sich noch nicht beziffern, dürfte aber in die zehntausende gehen.

Ausfall von Sprechzeiten im Jugendamt

Aufgrund des Wasserschadens im Rathaus Friedenau entfallen am Donnerstag, dem 09.02.2012, sowie am Freitag, dem 10.02.2012, die Sprechstunden des Jugendamtes.

Informationen für Bürgerinnen und Bürger sind unter der Rufnummer 90277 6037 am Donnerstag von 9-18 Uhr und am Freitag von 9-14 Uhr erhältlich.

Das Krisentelefon für Kinder in Not ist unbeeinträchtigt nach wie vor unter 90277 55555 Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr erreichbar.

(Bericht KiTS vom Jugendamt Tempelhof-Schöneberg-Nr. 559 vom 7.2.2012)
Fotos: BerL-Press - bis auf Foto 2: jats Ed Koch

 
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