BERLINERLEBEN: Bunt und schrill in der Neuköllner Oper

Berlin-Neukölln, 15. März 2012 Pariser Leben in Berlin? Wie lässt es sich besser darstellen, als in einem bunten und schrillen Musiktheater der Neuköllner Oper: „BERLINERLEBEN“. Und alles unter dem Motto „freizügig nach Offenbach“, genauer gesagt frei nach Jacques Offenbach, der als französischer Komponist mit deutschen Wurzeln als Begründer der modernen Operette gilt.

In Berlin ist alles anders und alles ein bisschen verrückter. Das Stück der Neuköllner Oper nimmt witzig, bissig und lebendig das Berliner Szeneleben und touristisches Erlebnisverlangen auf die Schippe. So wollen die gut betuchten Reisenden bei ihrem Kurztrip wirtschaftlichen Gewinn und Großstadtflair pur inhalieren. Gerade in Schönefeld gelandet und schon sucht man das Berliner Leben. Da freut sich Omar, auf den Punkt gebracht und lebendig dargestellt von Janko Danailow, und seine schrille Kreuzköllner Clique! Der Berliner Szene-Held verkauft den Aufenthalt in der maroden Abriss-WG als High-End-Traumhotel. Der Blick ist dabei passgenau auf die Geldbörse von Alexej, überzeugend gespielt von Clemens Gnad, und auf das Hinterteil von Natascha gerichtet. Natascha, schauspielerisch und gesanglich beachtlich von der Sopranistin Sarah Papadopoulou interpretiert, stürzt sich in die Shoppingwelt und will, wie ihr Mann, in der Nacht den besonderen Flair der Großstadt einatmen. Aber es kommt alles anders…
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Foto: Matthias Heyde
Bei jedem Stück ist man auf den besonderen Bühnenaufbau in der Neuköllner Oper gespannt. Auch jetzt ist Bühne und Ausstattung in seiner Schlichtheit ein Hingucker! Auf der runden Drehbühne geht es wild zu. Ob als Kofferband am Flughafen oder als WG-Quartier mit Javamöbeln: die Bühne von Michael Köpke unterstützt die Dramaturgie des Stückes. Als Dramaturg hat der künstlerische Leiter der Neuköllner Oper, Bernhard Glocksin, mal wieder ein glückliches Händchen bewiesen. Das abwechslungsreiche Musiktheater ist rundum gelungen. Das Ensemble konnte durchweg überzeugen, auch wenn die nächtliche Clubkönigin Rosetta, schauspielerisch gut dargestellt von Maria Jamborsky, gesanglich hinter den Erwartungen zurückblieb. Da hilft es auch nicht wirklich, wenn die Verruchtheit von Hildegard Knef an einigen Stellen Pate stand. Schauspielerisch gut sind die Szenen mit der Tätowiererin und dem Friseur gelungen. Eine besonders zu erwähnende Leistung kann Susanne Szell vorweisen, die in mehreren Rollen schauspielerisch glänzte und gesanglich brillierte. Das Premierenpublikum war aus dem Häuschen! Das dreiköpfige Orchester, unter bewährter musikalischer Leitung von Hans-Peter Kirchberg, setzt die vielfältigsten Klanginstallationen erstklassig um. BERLINERLEBEN hat durchaus etwas von einem Klassiker, den man noch in vielen Jahren wieder ausbuddeln könnte. Das rundum gelungene Stück von Hendrik Müller (Idee und Regie), Barbara Rucha (Arrangements und Kompositionen) und Kriss Rudolph (Text) wird jetzt erstmal den ganzen April im Haus an der Neuköllner Karl-Marx-Straße gespielt.

Das BERLINERLEBEN lässt keine lange Weile aufkommen. Die Texte sind auf den Punkt gebracht und es wurde der Berliner Szene gut auf das Maul geschaut. In wenigen Sequenzen gehen die Wortspielereien etwas in Klamauk über. Die Gesamtbeurteilung des Stückes fällt jedoch, ohne Wenn und Aber, rundum positiv aus. Wer sich vergnügen will, ansprechende und qualitativ hochwertige Unterhaltung sucht und alt hergebrachte Bahnen auch mal verlassen will, der ist in der Neuköllner Oper mit dem BERLINERLEBEN gut aufgehoben. Na dann, viel Spaß beim BERLINERLEBEN!

Thomas Moser –BerLi-Press

www.neukoellneroper.de

Veröffentlichung im Rudower Magazin April/2012:  LINK

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