„Platée. Ein Begehren“: Eitelkeiten und Eifersucht in der Neuköllner Oper

Ob Eitelkeiten am französischen Hof oder in der Neuköllner Oper, der Unterschied ist nicht so groß! Robert Lehmeier und Jakob Vinje haben die Ballet-Comédie von Jean-Philippe Rameau, eine 1745 in Versailles aufgeführte Oper, in die Neuzeit gebeamt. Und da die Neuzeit in der Neuköllner Oper stattfindet, hat Regisseur Robert Lehmeier, Komponist Jakob Vinje (Musikalisches Arrangement, Text) und das gesamte künstlerische Team einiges Sehens- und besonders Hörenswertes auf die Beine gestellt. Das Programmheft beschreibt es so: „Fast 270 Jahre, nachdem Platée zum ersten Mal am französischen Hof mit Pauken und Trompeten Opfer einer Götter-Intrige und in einer inszenierten Hochzeit von Jupiter missbraucht wurde, um Juno von ihrer Eifersucht zu heilen, schlägt sie im Sumpf der Karl-Marx-Straße auf. Und ist nicht klüger geworden.“

Foto: Armin Stein (Platée). (c) Matthias Heyde.
Wer Barockmusik und klassischen Gesang mag, ist bei diesem Stück in der Neuköllner Oper gut aufgehoben. Erstklassige Stimmen und ein hochklassiges Orchester, unter der musikalischen Leitung von Hans-Peter Kirchberg, lassen den Abend für den Klassikfan zum Hochgenuss werden.

Die Bühne in der Neuköllner Oper ist mal wieder etwas ganz Besonderes. Eine Bar wird zur mehrdimensionalen Lebenswelt der mythischen Figuren Platée, Jupiter, Merkur, Cithéron, L´Amour und Juno. Wilde Feiern, Schmeicheleien, Träume und Intrigen: Nichts wird ausgelassen und in der etwas anderen Neuköllner Welt unterhaltsam auf die Bühne gebracht. Alte Filmsequenzen werden zeitweise an die Leinwand geworfen, hinter der das Orchester für den stets guten Ton sorgt.

Von der bierlaunigen Stimmung am Anfang mit „Hopfen und Malz, Gott erhalt´s“ bis zu der Preisung der Schönheit mit „Mein Herz, es mag nicht mehr länger warten“, wird so einiges an -im wahrsten Sinne des Wortes- windigen Stimmungen erzeugt.

Manchmal wird dann die Neuköllner Oper fast zu so etwas wie ein musikalischer Intrigenstadl und eine Verkleidungszotte. An einigen Stellen wirkt die Oper wie ein Laientheater mit einer überzeichneten Ballettchoreographie für gleichgeschlechtliche Paare: schon etwas sehr „Neukölln“. Aber das tut dem Gesamteindruck und besonders den gesanglichen Qualitäten von allen Sängern und Sängerinnen (Thorbjörn Björnsson, Melanie Gardyn, Clemens Gnad, August Schram, Armin Stein, Lydía Zervanos) absolut keinen Abbruch! Die Neuköllner Oper ist halt immer etwas Besonderes! Das Premierenpublikum war begeistert! Platée wird mit Erfolg die Zuschauer in seinen Bann ziehen!

Thomas Moser –BerLi-Press

Weitere künstlerisch Beteiligten:

Choreographie: Gregory Le Blanc

Ausstattung: Markus Meyer

Video: René von der Waar

Spieltermine: 22., 24./25., 29./30. November, 1./2., 6.–9., 13.– 16., 20.–22., 26.–29. Dezember, jeweils 20 Uhr. An Sylvester: 18 Uhr

Karten: 9,- bis 24,- Euro; Vorbestellung unter 030 / 68 89 07 77, tickets@neukoellneroper.de,

NEUKÖLLNER OPER • Karl-Marx-Str. 131-133 • 12043 Berlin • Tel: 030/68 89 07-0www.neukoellneroper.de

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