Trauer um „Mr. Happy Sound“

Ein  Nachruf von Henning Hamann


Eine Zeichnung vom MedienPoint_Mitarbeiter Christian Ermel

Die Nachricht kam beim zweiten Frühstück: James Last, der Erfinder des „Happy Sounds“ ist tot. Er starb mit 86 Jahren am 9. Juni in seiner Wahlheimat Florida an Organversagen. Nun war es nicht gerade die Überraschung, wie z.B. bei Udo Jürgens, denn Last war gerade noch bei uns in Berlin auf der Bühne und er sah nicht gerade aus „wie das blühende Leben“. 


Das Abschieds-Schaufenster im MedienPoint Tempelhof

„Non Stop Music“ war die große Abschieds-Tournee von seinem Publikum. Ein letztes Mal war der größte und erfolgreichste Bandleader der Welt am 18. April in der Berliner O2 World. Es sagten alle, „der kommt nicht wieder“ - es galt Abschied zunehmen von einem der ganz Großen des Unterhaltungs-Business, einem der über Jahrzehnte sich nie neuen modernen Einflüssen verschlossen hat und für eine Überraschung immer gut war und allein in Deutschland unglaubliche 110 Alben in den Charts hatte.


Anlässlich der MedienPoint-Aussstellungseröffnung „50 Jahre Non Stop Dancing – James Last” im April 2015 - Dr. Ulrike Stutzky
(aktive Förderin des MedienPoints), Günter Krüger (der wohl größte James Last-Fan), James Last, Petra Dittmeyer und Henning Hamann (v.lks.n.re.)

Als Musikchef diverser Radiosender musste und durfte ich viele Stars kennen lernen, auch James „Hansi“ Last. Aber der Reihe nach: Ich bin ein Beat-Jünger, Beatles, Stones, Beach Boys, Hollies und The Who waren meine Begleiter in den Sixties. Meine Eltern waren, wie Millionen andere, absolute James-Last-Fans. Viele seiner LPs liefen bei uns zuhause rauf und runter und erzeugten bei mir ein „Last-Trauma“. Ich mochte ihn nicht.


Eine Erinnerung an James Last der ganz besonderen Art: Eine Goldene Schallplatte, die James Last Henning Hamann schenkte.

Nicht ahnend, dass ich ihn Jahre später interviewen musste und er meine Abneigung merkte. Beim nächsten Interview, inzwischen war ich Musikchef, sagte mir James Last direkt ins Gesicht: „Sie sind doch der, der mich nicht mag“. Um es kurz zu machen, er bot mir das „Du“ an, lud meine Frau und mich nach London in die Royal Albert Hall ein, ich durfte mich frei mit seinem Orchester unterhalten und erleben, wie Engländer begeistert den deutschen James „Hansi“ Last feierten, ja förmlich huldigten und mit der Fahne vorne weg eine Polonäse durch die ehrwürdige Albert Hall schunkelten. Es war der Party-Wahnsinn. Jeden Abend immer ausverkauft, immer diese Begeisterung.

Sein Orchester ist seine Familie und er zwar der Chef, aber immer auch Kumpel und Freund, immer ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte seiner „Familienmitglieder“.

Ich hatte verstanden. Da ist ein musikalisches Genie, immer auf der Suche nach aktuellen Inspirationen, seine Arrangements, egal ob Pop, Schlager, Operette oder Klassik, fesselten Millionen mit dem unverwechselbaren Last-Sound. Am Ende der London-Tage lud er mich zu sich nach Hause in Florida ein und schenkte mir sogar eine seiner goldenen Schallplatten.

Die Wiedersehen und Interviews danach waren herzlich und für die Hörer sehr interessant. Ein Star erzählt natürlich in positiver, fast privater Atmosphäre mehr als sonst, vergisst sogar die Hörer da draußen. Allein seine Schilderung über die Krebserkrankung seiner ersten Frau mit vielen Tränen, ließ den Hörer teilhaben an dem Schmerz des James Last...

Jeder hat schon einen seiner zahlreichen Hits und erfolgreichen Eigenkompositionen gehört: „Games That Lovers Play“, „Happy Luxemburg“(damalige Erkennungsmelodie von RTL-Radio) oder auch Titelmelodien deutscher Fernsehserien wie „Der Landarzt“ oder „Das Traumschiff“, sowie die Erkennungsmelodie zu der erfolgreichen Musiksendung „Die ZDF-Hitparade“ mit Dieter Thomas Heck, aber auch die Filmmusik deutscher Spielfilme wie „Der Kapitän“ (1971)  mit  Heinz  Rühmann  oder „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ (1968) und „Wenn süß das Mondlicht auf den Hügeln schläft“ nach den Erfolgs-Romanen von Eric Malpass. Für die 1968 bis 1980 ausgestrahlte ZDF-Sendung „Starparade“ mit Rainer Holbe komponierte er nicht nur die Titelmusik, sondern er begleitete die Sendungen auch regelmäßig mit seinem Orchester. Seine Komposition „Der einsame Hirte“ wurde 1977 von dem Panflötenvirtuosen Gheorghe Zamfir interpretiert und erlangte rund 25 Jahre später als Filmmelodie von „Kill Bill: Vol. 1“ Kultstatus.

Musik war schon immer sein Leben. Nach seiner Ausbildung als Kadett an den Heeresmusikschulen in Frankfurt am Main und Bückeburg spielte er, 17 Jahre jung und damals noch als Hans Last, ab 1946 auf Initiative von Hans Günther Oesterreich als Bassist mit Brüdern Werner und Robert Last im Tanz- und Unterhaltungsorchester von Radio Bremen und im Last-Becker Ensemble. Werner machte später selbst Karriere unter dem Namen Kai Warner, Robert spielte in der Erstbesetzung der James-Last-Band Schlagzeug. 1955 ging Hans Last zum NDR-Orchester nach Hamburg. In den frühen 1950er Jahren gewann Last mehrere „JazzPolls" als Jazz-Kontrabassist.

1964 erhielt er von Polydor einen eigenen Plattenvertrag. Mit seinem Orchester „James Last & His Orchestra“, eine durch Streicher und Chor erweiterte Big Band, begann er nun, zum Teil selbst komponierte, zum Teil umarrangierte Instrumentalstücke aufzunehmen. Sein Repertoire reichte hierbei vom Swing über Pop und Volkslied bis zur Klassik. Mit dem Album „Non Stop Dancing“ begann 1965 eine weltweit einzigartige LP-Reihe und Karriere, die ihn zu einem der erfolgreichsten Tonkünstler weltweit machte.

Die Auszeichnungen hierfür sind vielfältig, reichen vom „Country Music Award“ über „Platine Stimmgabel“ und „Echo“ in der Kategorie „Lebenswerk“ bis hin zum Bundesverdienstkreuz am Bande. Im Anschluss an die Europatournee „James Last – Mit 80 Jahren um die Welt“ anlässlich seines 80. Geburtstages im Jahr 2009 ehrte ihn Universal Music Entertainment mit dem „Lifetime Award“ für über 80 Millionen verkaufte Tonträger.

Danke für wundervolle Momente & Stunden - Mach‘s gut Hansi, wir sehen uns wieder...

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